Alte Herren gewinnt nächstes Heimspiel
„Ein Pferd kann auch hüpfen (wir eher weniger)“
Sarkastisch, aber sauber formuliert …
Unsere Tippse war zum Heimspiel verhindert, was natürlich sofort den altbekannten Dominoeffekt auslöste: Wieder einmal mussten die üblichen Verdächtigen einspringen, während diejenigen, die vermutlich immer noch gemütlich im Bett lagen, im Nachhinein wahrscheinlich als die eigentlichen Gewinner des Tages gelten. Gut gemacht, wirklich.
Also übernehme ich den Bericht, damit ich pünktlich in der Halle bin und – wenn die Sterne günstig stehen – vielleicht sogar noch den Kampfbericht schreiben darf. Ein Traum für jeden Amateurchronisten.
Vor dem Spiel
Beim Training am Mittwoch standen zunächst nur acht Spieler in der Anmeldung, was ungefähr der Anzahl an Personen entspricht, die bei uns üblicherweise erst dann merken, dass ein Spieltag bevorsteht, wenn die ersten Autos auf den Parkplatz rollen. Glücklicherweise fanden im Laufe der Woche dann doch noch einige Spieler den „Haken setzen“-Knopf auf ihrem Handy oder wurden erfolgreich daran erinnert, dass wir tatsächlich eine Mannschaft sind. Am Ende standen 14 Mann zur Verfügung – also einer mehr als die absolute Notbesetzung.
Das Aufwärmen fand zu meiner Überraschung sogar gemeinschaftlich statt, fast so, als wären wir ein Team mit einem gemeinsamen Ziel. Vielleicht war es die Musik von Radio Bollerwagen, die in uns eine Mischung aus guter Laune und sportlicher Motivation ausgelöst hat. Unser Coach schmetterte uns anschließend seine obligatorische „Heute gewinnen wir“-Predigt entgegen. Die Nervosität im Team stieg daraufhin so stark, dass die meisten Spieler die Kabine nur noch im Vorbeigehen sahen, weil der Andrang auf die Toilette die soziale Mitte der Mannschaft für diesen Moment dorthin verlagerte.
Auch die Begrüßung war ein kleines Highlight. Ich kann mich nicht erinnern, jemals so weit an der Außenlinie stehen zu müssen. Wer gut Lippen lesen konnte, hatte klare Vorteile. AWB kam im Übrigen ebenfalls mit 15 Spielern – es war also offensichtlich ein Tag, an dem wirklich jeder Zeit hatte.
Das Ball-Drama
Kurz vor dem Anpfiff war der Schiedsrichter bereits bereit, doch der Ball war es nicht. Ein nagelneuer Ball wurde herangeschafft, der allerdings so prall gefüllt war, dass man ihn vermutlich auch als Gasdruckbehälter hätte verkaufen können. Der Versuch, Luft abzulassen, endete damit, dass die Spitze abbrach und zur Hälfte im Ball stecken blieb. In den nächsten Minuten durfte dann wirklich jeder einmal versuchen, diese Spitze wieder herauszufriemeln – Spieler, Trainer, Zuschauer und sogar der Schiedsrichter, der mit seinen „edlen Dritten“ nachhalf. Selbst das brachte keinen Erfolg.
Also musste ein zweiter Ball her, der zwar aus demselben Fabrikat stammte, aber etwa 8000 Betriebsstunden mehr hinter sich hatte. Dieser sah schon so abgenutzt aus, dass man ihn eher als Vereinsinventar denn als Sportgerät bezeichnen könnte. Wenigstens ließ sich bei diesem Exemplar problemlos Luft ablassen.
Der eigentliche Spielbeginn
Kaum war der Ball einsatzbereit, gab natürlich gleich die Hallenuhr den Geist auf. Die Sirene schrie wie ein Rauchmelder, bevor überhaupt eine Sekunde gespielt war. Nach einer kurzen technischen Improvisation konnten wir schließlich loslegen.
Wir erspielten uns einige gute Chancen, schienen aber fest entschlossen zu sein, den gegnerischen Torwart zum Helden des Tages zu machen. AWB hingegen kam zunächst kaum zum Abschluss – vermutlich aus reiner Solidarität. Nach über fünfeinhalb Minuten fiel endlich das erste Tor des gesamten Spiels. Der Damm war damit gebrochen, und wir konnten ebenfalls Treffer erzielen.
Nach etwa 15 Minuten führten wir 6:3, ließen allerdings gleichzeitig mehrere hundertprozentige Chancen liegen, als würden wir das bewusst tun, um Spannung für die Zuschauer zu erzeugen. Die Unterstützung von den Rängen war großartig – danke dafür!
Wie es bei uns jedoch Tradition zu sein scheint, gingen wir trotz guter Phasen mit einem knappen 9:10-Rückstand in die Halbzeit.
Halbzeitansprache und taktische Finessen
Unser Coach fand in der Pause die richtigen Worte, die wir offensichtlich gebraucht hatten. Wir stellten die Abwehr um, da die Angriffe von AWB nahezu ausschließlich über die Mitte oder den rechten Rückraum kamen. Außerdem wollten wir schneller spielen, da AWB bei jedem Angriff zwischen Angriff und Abwehr wechselte. Dieser Plan ging erstaunlich gut auf, und wir kamen zu mehreren schnellen Abschlüssen.
Trotz unserer Bemühungen blieb AWB jedoch hartnäckig. Auch sie fanden immer wieder Möglichkeiten, den Ball im Netz unterzubringen. Glücklicherweise hatte Jens im Tor einen echten Sahnetag erwischt und parierte einige Würfe, die man eigentlich schon im Netz gesehen hatte.
Die Nervenschlacht am Ende
Es stand 20:19 und in der Spielzeit 59:10 nahm unser Coach eine Auszeit. Der Plan war simpel: den Ball halten, uns festmachen lassen, geduldig spielen und erst dann abschließen, wenn Zeitspiel angezeigt wird. Alle nickten, der Plan war klar – zumindest theoretisch.
Nach dem Wiederanpfiff dauerte es keine zehn Sekunden, bis wir mit einem Stürmerfoul den gesamten Plan über den Haufen warfen. AWB spielte ihren Angriff entschlossen zu Ende, fand ihren Kreisläufer frei und dieser traf. Zumindest dachten wir das. Der Schiedsrichter hatte jedoch gesehen, dass der Kreisläufer schon vorher deutlich im Kreis gestanden hatte. Ein Glücksmoment, den wir wirklich dringend brauchten.
Der Sieg
Am Ende gewannen wir mit einem Tor Vorsprung. Und ehrlich gesagt: So ein knapper Sieg ist viel schöner als ein hoher, denn man kann dem Gegner die Frustration direkt im Gesicht ablesen, ohne lange suchen zu müssen.
Unser Fanclub bekam einen absolut verdienten Applaus für die großartige Unterstützung. Wie immer bekam der Gegner eine Kiste Kaltgetränke – immerhin waren sie darin deutlich schneller als beim Verarbeiten unserer Angriffe.
Wir ließen den Abend entspannt bei Getränken und Pizza ausklingen. Die Kinder freuten sich, dass sie die Halle noch lange bespielen durften.
Jetzt muss ich mich allerdings beeilen, denn das nächste Event steht schon an.
Wir sehen uns wieder in der Halle.
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